Die Aufarbeitung der Vergangenheit aus japanischer Sicht    Toru Kumagai

Der Vortrag wurde am 8. Juni 2006 in der Gedenkstaette Deutscher Widerstand in Berlin gehalten (Organisator: Internationales Auschwitz-Komitee)

1                    Einleitung

Meine Damen und Herren,

Herr Christoph Heubner,

Ich moechte mich zunaechst herzlich bedanken, das Sie mir eine Gelegenheit gegeben haben, hier einen Vortrag zu halten. Es ist eine grosse Ehre fur mich.

Ich moechte mich Ihnen kurz vorstellen.. Ich bin in Tokio geboren und habe in Tokio Volkswirtschaftswissenschaften studiert. Ich habe 8 Jahre beim japanischen oeffentlich-rechtlichen Fernsehsender NHK (Japanisches Fernsehen) als Redakteur und Korrespondent gearbeitet. Ich war auch als Auslandskorrespondent in Washington DC taetig.

Seit 16 Jahren wohne ich in Muenchen und arbeite ich als freiberuflicher Journalist fur verschiedene japanische Medien. Bisher habe ich 2 Buecher uber die Wiedervereinigung und 4 Buecher uber verschiedene Aspekte von Deutschland in Japan veroeffentlicht.

Die Aufarbeitung der Vergangenheit in Deutschland war und ist eins der wichtigsten Themen fuer mich. Ich habe zahlreiche Artikel zu diesem Thema in Japan veroeffentlicht und Vortraege gehalten.

2            Was kann man von der Auseinandersetzung mit der Geschichte lernen?

Es war im Jahr 1979, dass ich die erste Begegnung mit den Bemuehungen der Deutschen hatte, sich mit der Vergangenheit auseinander zu setzen. Der Anlass war ein deutsches Schulbuch. Damals war ich noch Student und habe fuer die Tochter einer japanischen Familie, die 5 Jahre in Deutschland verbracht hatte, Nachhilfeunterricht gegeben. Da sie in Deutschland an einer deutschen Schule gelernt hatte, brauchte sie Hilfe im Japanisch. Das Maedchen hat mir ein Schulbuch gezeigt, das sie beim Geschichtsunterricht in Deutschland benutzt hatte.

Da habe ich zum ersten Mal bemerkt, wie detailliert und umfangreich deutsche Schuler ueber das dunkle Kapitel ihrer Geschichte informiert werden. Das Schulbuch schilderte mit grauenvollen Fotos und Augenzeugenberichten, wie das verbrecherische Nazi-Regime den beispiellosen Voelkermord in die Tat umsetzte. Ich war beeindruckt, weil das Schulbuch dargestellt hat, wie sich das deutsche Volk gleichschalten liess, und viele zu Taetern wurden.

Diese Erfahrung machte mir bewusst, wie wenig ich in der japanischen Schule ueber den Zweiten Weltkrieg und die Greueltaten an der asiatischen Bevoelkerung durch die japanische Armee gelernt hatte. Der Geschichtslehrer hatte nur ganz kurz uber den Zweiten Weltkrieg unterrichtet. Im japanischen Schulbuch war das Verbrechen der Japaner waehrend des Krieges nicht erwaehnt.

Ich wollte genauer wissen, warum sich die Deutschen so intensiv mit der Vergangenheit auseinander setzen

Nach dem Studium wurde ich Fernsehjournalist. Ich habe im Jahre 1989 zusammen mit einem japanischen Regisseur ein einstuendiges Fernsehprogramm ueber die Bemuehungen der Deutschen, sich mit der Vergangenheit auseinander zu setzen, produziert. Fur dieses Programm habe ich 3 Monate in Deutschland und Polen recherchiert und die Dreharbeiten gemacht.

Bei dieser Recherche habe ich die Aktion Suehnezeichen besucht und Herrn Heubner kennengelernt. Mit Hilfe von Herrn Heubner und Frau Helga Sibaei konnten wir eine Gruppe der deutschen Schueler von einer Berufsschule in Berlin begleiten, die eine Studienreise zur Gedenkstaette Auschwitz gemacht hat. Mit den Schuelern haben wir im Haus der Begegnung in Oswiencim gewohnt und viel mit ihnen gesprochen. Wir konnten im Programm detailliert darstellen, wie deutsche Jugendliche ueber die Verbrechen, das unter dem deutschen Namen begangen wurden, nicht nur durch die Besichtigung des Museums sondern auch durch die Arbeit und das Gespraech mit den ehemaligen Haeftlingen gelernt haben.

Ich habe bemerkt, das es fur manche empfindliche Schuler hart war, sich mit den grauenvollen Tatsachen auseinander zu setzen. Gleichzeitig habe ich gelernt, wie wichtig es ist, die Vergangenheit nicht nur von Buechern und Filmen zu lernen sondern auch durch Arbeit vor Ort und Gespraeche mit den ehemaligen Haeftlingen zu verinnerlichen.

In unserem Dokumentarfilm haben wir auch ueber die Schulbuchkonferenz zwischen den deutschen und polnischen Historikern, den Inhalt des Schulbuchs und die Strafverfolgung der Nazi-Verbrecher berichtet. Ich habe eine polnische Professorin in Warschau interviewt, die ich bei der Schulbuchkoferenz kennengelernt hatte. Sie war 15 Jahre als als sie ins Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau geschickt wurde. Sie zeigte mir die taetowierte Haeftlingsnummer und die Wunden durch Folter am Arm. Es war das erste Mal, das ich nach dem Interview geweint habe. Dieses Erlebnis hat bei mir den Schrecken der Gewaltherrschaft tief eingepraegt.

Auch danach habe ich mehrmals mit den ehemaligen Haeftlingen gesprochen und Gedenkstaetten besucht. Insbesondere hat mich die Gedenkstaette Yad Vashem in Jerusalem, die ich zweimal besucht habe, betroffen und nachdenklich gemacht.

Manche Deutsche wundern sich, warum sich ein Japaner fur die Aufarbeitung der deutschen Vergangenheit interessiert.

Wir koennen den beispiellosen Volkermord an den Juden und die Verfolgung der anderen Opfer durch die Nazis mit den Verbrechen der japanischen Armee in Asien nicht vergleichen.

Japanische Soldaten haben zwar asiatische Bevoelkerung und Kriegsgefangene zum Teil schon brutal misshandelt, und starkes Gefuehl der Diskriminierung gegen Chinesen und Koreaner war in der japanischen Bevoelkerung verbreitet. Asiatische Bevoelkerung wurde zum Teil nach Japan verschleppt, zur Sklavenarbeit fuer japanische Unternehmen gezwungen, und manche Kriegsgefangene als Versuchskaninchen fuer verbrecherische Menschenversuche der Spezialeinheit fur biologische Kampffuehrung missbraucht.

Aber in Asien gab es keinen Voelkermord in den fast industrialisierten Toetungsanlagen wie in Auschwitz-Birkenau oder Treblinka, mit dem Ziel, einen bestimmten Teil der Bevoelkerung zu vernichten. Die japanische Armee hatte keine vergleichbare Einheit wie Einsatzgruppe, die darauf spezialisiert war, nach der Eroberung des Gebiets einen bestimmten Teil der Bevoelkerung zu vernichten. Es gab keine klar definierte Rassenideologie wie bei den Nazis, die zum Voelkermord gefuehrt hat.

Ich beschaeftige mich trotzdem mit der Aufarbeitung der Geschichte in Deutschland, weil ich gerne wissen moechte, ob es einem Volk gelingen wird, das Vertrauen der Opfer zurueck zu gewinnen.

Die Frage, ob eine Annaehrung fuer zwei Voelker nach einer menschlichen Katastrophe moeglich ist, betrifft nicht nur die Deutschen, sondern uns auch.

Auch wenn wir Japaner keinen Voelkermord begangen haben, haben wir auch den anderen Voelkern grossen Schmerz zugefuegt. Ich versuche immer herauszufinden, ob wir Japaner von den Bemuehungen der Deutschen, sich mit der Vergangenheit auseinander zu setzen, etwas lernen koennen.

Der folgende Punkt ist sehr wichtig. Wir koennen das, was die Deutschen fur die Aufarbeitung der Vergangenheit tun, nicht hundertprozentig nach Asien uebertragen und implementieren, weil die geschichtliche Entwicklung, die politische Situation und die Mentalitaet der Voelker anders als in Europa sind.

Trotzdem finde ich manche Elemente lehrreich fuer uns. Durch Recherche uber die Bemuehungen der Deutschen habe ich gelernt, was wir Japaner in den letzten 60 Jahren versaeumt haben.

Es zeigt sich an dem Ergebnis des Umgangs mit der Vergangenheit. Auch wenn ein Land keinen Voelkermord begangen hat, muss es sich mit der Vergangenheit auseinandersetzen. Jedes Land muss selbst bestimmen, wie es mit der Geschichte umgehen will. Der Umgang mit der Vergangenheit hat grosse Auswirkungen auf die heutige Gesellschaft.

Mit der sogenannten ?Globalisierungg gewinnt meines Erachtens die Aufarbeitung der Vergangenheit sogar an Bedeutung, weil die internationale Abhaengigkeit steigt.

Wie sind die Beziehungen der Deutschen und Japaner zu ehemaligen Opfervoelkern heute im Licht des Geschichtsverstaendnisses?

Ich stelle fest, dass die Deutschen heute mehr Vertrauen der ehemaligen Opfer als wir Japaner geniessen. Im Bezug auf Vergangenheitsverstaendnis ist die Situation in Asien viel angespannter als in Europa. Das Nationalinteresse Japans ist sogar durch den Konflikt um das Geschichtsverstaendnis mit den Nachbarlaendern gefaehrdet. Ich sehe keine aehnliche, ernsthafte Gefaehrdung fuer Deutschland.

Woher kommt dieser Unterschied ?

In den letzten 60 Jahren, vor allem seit Ende 60er Jahren, haben sich die Deutschen in verschiedenen Bereichen mit der Vergangenheit auseinander gesetzt. Ich finde die Intensitaet, Vielfalt und Kontinuitaet dieser Bemuehungen beeindruckend und einzigartig. Bisher habe ich ueber folgende Beispiele in Deutschland fuer die japanische OEffentlichkeit berichtet:

 

Die Hilfe fuer ehemalige Haeftlinge durch die Nichtregierungsorganisationen,
Die Gespraeche mit den Opfern,
Die Studienreisen in die Laender, die von Nazi-Deutschland besetzt wurden,
Die Schulbuchkonferenz,
Das intensive Informieren der Jugendlichen ueber die Vergangenheit durch Geschichtsunterricht
Die strafrechtliche Verfolgung der Nazi-Verbrecher,
Die finanzielle Entschaedigung,
Die Auseinandersetzung durch Kunst, Reportragen, Dokumentarfilme, Spielfilme, Nachrichten
Die Besuche der Spitzenpolitiker in den Gedenkstaetten und die Schuldbekenntnis

Wenn die Deutschen diese Bemuhungen in den letzten 60 Jahren versaeumt hatten, waere die politische und wirtschaftliche Integration Deutschlands in Europa nicht so weit wie heute fortgeschritten. Das Misstrauen der Nachbarlaender ueber die Wiedervereinigung waere viel groesser gewesen.

Ich habe das Gefuehl, dass der Eindruck unter den Nachbarlaendern wachst, dass Deutschland in die europaeische Wertegemeinschaft tief eingebettet ist und in Zukunft keinen Alleingang mehr wagen wird. Die Deutschen haben nach dem Zweiten Weltkrieg gezeigt, dass nicht nur Nationalinteresse sondern auch Moral eine Rolle in der Aussenpolitik spielen muss.

Ich weiss, dass die Aufarbeitung der Vergangenheit niemals perfekt sein und kein Ende haben kann. Es gibt immer noch vergangenheitsrelevante Probleme in Deutschland heute, die angegangen werden muessen. Die Gewalttaten und Delikte der Rechtsradikalen, das Phaenomen ?Martin Walserg, der Anstieg des Stimmenanteils der rechtsradikalen Parteien bei manchen Landtagswahlen in den neuen Bundeslaendern, der steigende Antisemitismus im bestimmten Teil der Gesellschaft sind nur Beispiele. Ich weiss, dass manche juedische Mitbuerger die Entwicklungen in den letzten Jahren besorgt verfolgen.

Ich finde die Ergebnisse der Meinungsumfragen, die andeuten, dass fremdenfeindliche Gefuehle in den neuen Bundeslaendern immer noch in bestimmten Teilen der Bevoelkerung verbreitet sind, schockierend.

Trotzdem stelle ich fest, dass sich die Deutschen mit der Vergangenheit viel bewusster und gezielter als wir Japaner beschaeftigt haben. Deswegen sind die Beziehungen der Deutschen mit den Nachbarlaendern und ehemaligen Opfern heute viel weniger von Konflikt und Animositaet als unsere Beziehungen zu Nachbarstaaten gekennzeichnet.

Die Art und Weise, wie ein Land mit der Vergangenheit umgeht, wirft Schatten auf die heutige Gesellschaft. Wenn unsere Beziehungen zu asiatischen Nachbarn heute wegen des Geschichtsverstaendnisses angespannt sind, muss bei uns in den letzten 60 Jahren etwas schief gelaufen sein.

Ausserdem stelle ich fest, dass unter den asiatischen Laendern der starke politische Wille fehlt, einen Konsens bezueglich Geschichte zu erreichen.

Ich haette mir gewuenscht, dass ich Ihnen heute uber den Erfolg der Aufarbeitung der Geschichte in Asien berichten koennte. Stattdessen muss ich Sie leider ueber die Beispiele informieren, wie schwer die Hypothek der Vergangenheit, die unbearbeitet gelassen wird, die heutige Gesellschaft belastet.

3            Die verhinderte Aufarbeitung der Vergangenheit in Japan

3.1         Verschlechterung der Beziehung zu China und Suedkorea durch Vergangenheit

Waehrend die wirtschaftlichen Beziehungen zwischen China, Suedkorea und Japan heute bluehen, hat die politische Beziehung einen Tiefpunkt erreicht. Im April 2005 haben zum Beispiel mehr als 20.000 Chinesen in Protest gegen das Verhalten der japanischen Regierung zur Vergangenheit demonstriert, die japanische Botschaft und Generalkonsulate mit Stein beworfen und japanische Geschaefte beschaedigt. In China sind normalerweise solche Demonstrationen verboten, und diese gewalttaetige Demonstration war offenbar von der chinesischen Regierung geduldet.

Der Streit um das Geschichtsverstaendnis hat die politische Beziehung zwischen China und Japan vergiftet. Gegenseitige Besuche zwischen den chinesischen und japanischen Ministerpraesidenten in ihren eigenen Laendern finden seit 6 Jahren nicht mehr statt. Es ist nicht akzeptabel, dass die Spitzen der zwei Regierungen seit Jahren nicht in der Lage sind, wichtige politische und wirtschaftliche Themen persoenlich zu eroertern. Aber wegen der Meinungsverschiedenheiten bezueglich Vergangenheit koennen sie keinen Ausweg aus der Sackgasse finden.

Die Koreaner, ein anderes ehemaliges Opfervolk, sind ueber das Verhalten der japanischen Regierung tiefst veraergert. Letztes Jahr hat der suedkoreanische Praesident Roh Moo-hyun in einem Interview mit der Frankurter Allgemeine Zeitung schwere Vorwuerfe gegen die japanische Regierung bezueglich Vergangenheitsverstaendnis erhoben. Er sagte, dass die Japaner ihre frueheren Agressionskriege weisswaschen, rechtfertigen und glorifizieren wollen. Er hat ausdruecklich die Aussoehnungsprozesse zwischen Deutschland und anderen europaeischen Laendern gelobt und erkennen lassen, dass er solche Prozesse in Ostasien vermisst.

Die japanische Regierung hatte zusammen mit Deutschland und anderen Laendern einen staendigen Sitz im Sicherheitsrat der Vereinten Nationen angestrebt. China und Sudkorea waren logischerweise total dagegen und haben dieses Streben vereitelt.

3.2   Streit um Yasukuni Schrein

Im Zentrum des Streits steht ein schintoistischer Schrein in Tokio. Die Chinesen und die Koreaner sind empoert, dass der japanische Ministerprasident Koizumi, den Yasukuni Schrein offiziell fuenfmal seit seinem Amtsantritt in 2001 besucht hat. In diesem Schrein sind ca. 2,5 Millionen japanische Generaele, Offiziere und Soldaten, die im Zweiten Weltkrieg und anderen Kriegen gefallen sind oder hingerichtet wurden, als Gott geehrt.

Was die Chinesen, die Koreaner und die anderen ehemaligen Opfervoelker veraergert ist, dass auch 14 japanische Politiker und Generaele, die von den Allierten als Kriegsverbrecher verurteilt wurden, seit 1978 in diesem Schrein als Gott geehrt sind.

Was ich besonders gefaehrlich finde ist das Kriegsmuseum ?Yu-Shuu-kang neben dem Hauptgebaeude, das diesem Schrein gehort. Als ich letztes Jahr das Museum besuchte, war ich entsetzt, weil die Geschichte der Aggression durch die japanische Armee in Ostasien verharmlost, verzerrt und sogar als Befreiungskrieg Asiens von europaeischer und amerikanischer Herrschaft dargestellt war. Wenn sich ein Asiate, der die Familienangehoerige im Krieg verloren hat, oder von der japanischen Armee misshandelt wurde, diese Ausstellung anschauen sollte, wuerde er total verunsichert sein, zu sehen, dass die juengste Vergangenheit verschoenert und einseitig dargestellt ist.

Das Massaker in Nanking, wo japanische Soldaten Tausende von chinesischen Buergern vergewaltigt und getoetet hatten, wurde nur als ?Vorkommnisse in Nankingg bezeichnet. Die Massentoetung und ?vergewaltigung durch japanische Soldaten sind gar nicht erwaehnt.

Die Ausstellung betont, wie tapfer und heldenhaft japanische Soldaten gekaempft haben aber schweigt, wieviele Ostasiaten und Kriegsgefangene der Allierten Streitkrafte unter der Unterdrueckung und der Greueltaten der japanischen Armee gelitten haben.

Im Museum sind zahlreiche Kampfflugzeuge, Panzer und Geschutze der japanischen Armee ausgestellt. Ich war auch ueberrascht, eine Dampflokomotive der beruechtigten Tai-Men Eisenbahnlinie zu sehen. Die japanische Armee hat ca. 60.000 britische und australische Kriegsgefangene und 300.000 asiatische Zwangsarbeiter unter unmenschlischen Arbeitsbedingungen eingesetzt, um innerhalb von 16 Monaten eine Eisenbahnlinie von 415 Kilometer zwischen Thailand und Burma zu bauen. Wegen Erschoepfung und tropischen Krankheiten sind mindestens 12.000 Kriegsgefangene und 90.000 asiatische Zwangsarbeiter ums Leben gekommen. Fuer Opfer ist diese Dampflokomotive ein Symbol der menschenverachtenden Behandlung durch die japanische Armee. Im Museum habe ich keine Erklaerung gefunden, dass die Bauarbeit dieser Eisenbahnlinie so viele Menschenleben gekostet hat.

Ich moechte hervorheben, dass dieser Schrein und das Museum keine staatliche, sondern eine private Institution sind.

Ich finde es trotzdem nicht akzeptabel, das ein japanischer Ministerpraesident den Schrein besucht, auf dessen Gelaende ein Museum mit einem revisionistischen Inhalt steht. Der Besuch vermittelt anderen Asiaten den Eindruck, das die japanische Regierung den Aggressionskrieg im Nachhinein fur richtig haelt.

Der Krieg des Wortes zwischen China und Japan verschaerft sich. In diesem Marz hat der chinesische Aussenminister gesagt, das er kein Verstaendnis habe, warum ein fuehrender japanischer Politiker, gemeint ist der Ministerprasident Koizumi, so toericht und unmoralisch sein kann. Er verletze durch Besuch des Yasukuni Schreins das Gefuehl der ehemaligen asiatischen Opfervoelker. Er sagte, in Deutschland nach dem Krieg haetten keine fuehrenden Politiker Hitler und andere Nazi-Schergen verehrt.

Koizumi weist die Kritik der Chinesen und Koreaner zuruck und wiederholt immer, dass er nur den Gefallenen eine Ehre erweisen will, weil das moderne Japan auf ihrem Opfer wiederaufgebaut wurde.

Fur die konservative Partei LDP, den Koizumi fuehrt, ist der Verband der Familienangehoerigen der Kriegsgefallenen immer noch eine wichtige Waehlerschaft. Bevor er zum Parteivorsitzenden gewaehlt wurde, hatte er oeffentlich versprochen, den Yasukuni Schrein zu besuchen, wenn er Ministerpraesident werden wuerde. Koizumi geniesst in Japan Popularitaet, weil viele Japaner denken, dass er kein Wendehals ist und sich an seine Versprechungen haelt.

Die japanischen Unternehmen, die stark vom chinesischen Markt abhaengig sind, sind tief besorgt. Ein japanischer Arbeitgeberverband zum Beispiel hat vor kurzem den Ministerpraesidenten darum gebeten, den Schrein nicht mehr zu besuchen.

3.3    Debatte um Schulbuch

Ein anderer wichtiger Streitpunkt zwischen asiatischen Laendern und Japan sind die Geschichtsbuecher, die in den Schulen verwendet werden. Im April 2001 hat das japanische Erziehungsministerium ein neues Schulbuch fuer den Geschichtsunterricht der Mittelstufe genehmigt, das von rechtskonservativen Autoren verfasst wurde. Diese Genehmigung hat die Empoerung und den Protest von China und Suedkorea hervorgerufen.

Dieses Schulbuch wurde von der ?Organisation fur neue Geschichtsbuecherg geschrieben. Diese Organisation haben im Jahr 1997 rechtskonservative Historiker, Journalisten und Komikbuchzeichner gegruendet. Sie betrachten die bisherige Geschichtsdarstellung in vielen Schulbuechern als zu selbstkritisch und wollten ein Schulbuch schreiben, das den Stolz auf das eigene Land wecken soll.

Zum Beispiel ist das Massaker in Nanking in diesem Schulbuch wie folgt kurz und verharmlost dargestellt: ?Als die japanische Armee im Dezember 1937 die Hauptstadt Nanking besetzt hat, gab es viele Tote und Verletzte auch unter der Bevoelkerung(Nanking Vorkommnis).g

Ausserdem behauptet dieses Schulbuch, das der Zweite Weltkrieg auch positive Auswirkungen hatte. Es schreibt, dass ?der Sieg der japanischen Streitkraefte am Anfang des Zweiten Weltkrieges gegen die Amerikaner, Hollaender und Englaender den Asiaten die Hoffnung auf die Unabhaengigkeit von der Kolonialherrschaft der Weissen in Zukunft gegeben haette.g Aber es erwaehnt die Greueltaten der japanischen Armee kaum und die Zwangsarbeit nur fluechtig. Die Tatsache, dass die japanische Armee asiatische Frauen zur Prostitution gezwungen hat, ist nicht erwaehnt.

Die meisten deutschen Schulbuecher schildern die Gewaltherrschaft und Greueltaten der Nazis detailliert und widmen fast 70 Seiten der Zeit zwischen dem Aufstieg der NSDAP und dem Untergang des Dritten Reichs. Im Gegensatz dazu schildern alle japanische Geschichtsbuecher die Tatsache, dass Japan Aggressor war, relativ kurz und knapp. Die meisten Japanischen Schulbuecher widmen nur noch 20 Seiten der Zeit zwischen dem Einmarsch der Japaner in China und dem Ende des Zweiten Weltkrieges. Die Details von Greueltaten, Massaker, Vertreibungen, Massenhinrichtungen durch die japanische Armee werden nicht erwaehnt.

Im Gegensatz zu Geschichtsunterricht in Deutschland gibt es in Japan kaum Diskussionen waehrend des Unterrichts. Die meisten Lehrer legen mehr Wert darauf, dass die Schueler die Ereignisse, die Personennamen und das Jahr auswendig lernen, als ihre eigene Meinung zu geschichtlichen Tatsachen zu bilden.

Eine Schulbuchkonferenz mit anderen Laendern spielt meines Erachtens eine wichtige Rolle, um einen Konsens im Geschichtsverstaendnis zu erreichen.

Jedoch gibt es bei uns noch keine Schulbuchkonferenz mit China. Japanische Historiker haben zwar 2001 endlich eine Arbeitsgruppe fuer gemeinsame Geschichtsforschung mit suedkoreanischen Historikern gegruendet. Aber die Diskussion steckt noch in der Anfangsphase. Heikle Themen wie Zwangsprostitution der Koreanerinnen wurden ausgeklammert, damit sich die Diskussion nicht festfaehrt. Im Vergleich zum Georg-Eckert Institut fur internationale Schulbuchforschung, das vor 55 Jahren seine Arbeit aufgenommen hat, haben die Japaner meines Erachtens mit dieser wichtigen Arbeit viel zu spaet angefangen.

Es ist der Grund, warum die junge Generation in Japan zu wenig ueber die Vergangenheit informiert ist.

3.4    Geschichtsverstaendnis der Japaner

Warum haben wir Japaner lange versaeumt, uns mit der Vergangenheit auseinander zu setzen? Eine Antwort zu dieser Frage liegt zum Teil in der Besatzungspolitik der Amerikaner nach dem Zweiten Weltkrieg. Der Oberbefehlshaber der Besatzungsmacht Douglas McCarthur hat in Beruecksichtigung der Empfehlungen der amerikanischen Japanologen entschieden, den japanischen Kaiser Hirohito als Kriegsverbrecher nicht zu bestrafen. Ihm wurde zwar jegliche politische Macht entzogen, aber er durfte als Symbol des japanischen Staates seinen Posten behalten.

Stattdessen wurden 25 Generaele und Politiker vom Internationalen Militaertribunal als Kriegsverbrecher verurteilt, und 7 davon wurden hingerichtet. Ausserdem wurden 980 japanische Offiziere und Soldaten wegen der Greueltaten in verschiedenen asiatischen Laendern als Kriegsverbrecher verurteilt und hingerichtet.

Bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges galt der Kaiser nicht als Mensch sondern als Gott und Vater des japanischen Volks. Die Amerikaner dachten, dass sie Japan besser verwalten koennen, wenn sie den Kaiser nicht bestrafen.

Sie sahen schon den neuen Feind am Horizont. In China hatten die Kommunisten Oberhand, und auch in Asien zeichnete sich der Kalte Krieg ab. Die Amerikaner wollten Japan in einen zuverlaessigen Buendnispartner und ein Bollwerk gegen die kommunistische Bedrohung umwandeln.

Diese Rechnung ging auf, und Japan ist heute ein demokratischer Staat und einer der treuesten Buendnispartner der USA. Die erfolgreiche Besatzungspolitik hatte jedoch auch negative Nachwirkungen. Der Kaiser war der Oberbefehlshaber der japanischen Streitkraefte waehrend des Krieges.

Weil er nicht bestraft oder abgesetzt wurde, hat die japanische Gesellschaft von heute eine staerkere Kontinuitaet der Vorkriegsgesellschaft als in Deutschland. Der Bruch mit dem Vorkriegssystem ist nicht so eindeutig wie in Deutschland. Dieses Kontinuitatsgefuehl schwaecht den Willen, sich kritisch mit der Vergangenheit auseinander zu setzen.

Ausserdem ist das Opfergefuehl unter der Bevoelkerung viel staerker als das Gefuehl, Taeter gewesen zu sein. Dieses Gefuehl ist viel tiefer eingepraegt als bei den Deutschen. Alle japanische Grossstaedte wurden wegen des Luftangriffs der Allierten dem Boden gleich gemacht. Wir sind das einzige Volk in der Welt, das die Atomangriffe erlebt hat. In Hiroshima und Nagasaki sind mindestens 340.000 Menschen umgekommen.

Bei uns gibt es immer noch stille und latente Wut gegen die Amerikaner, uns zu Versuchskaninchen der ersten Atomwaffe gemacht zu haben, obwohl dieses Gefuehl nie oeffentlich zugegeben wird. Auch dieses Erlebnis hat die Bereitschaft geschwaecht, unsere eigene Vergangenheit als Taeter proaktiv aufzuarbeiten.

Als ich 1989 die Gedenkstaette zum Atomangriff in Hiroshima besucht habe, fuehlte ich mich in zweifacher Hinsicht entsetzt und betroffen. Erstens wurde ich von der menschlichen Tragoedie und dem grossen Leiden, die die Buerger der Stadt erleben mussten, uberwaeltigt. Unter den Exponaten sind zum Beispiel ein Stueck Menschenhaut, die vom Atomstrahl verbrannt wurde oder ein Fahrrad und eine Uhr, die in der Hitze verschmolzen sind.

Auf der anderen Seite fand ich es problematisch, dass die Darstellung der kausalen Zusammenhaenge gefehlt hat. Ich habe damals keine Erklaerung in der Gedenkstaette gefunden, dass es Japan war, das den Krieg angefangen hat, wie der Krieg im Pazifik zum Wurf der Atombombe gefuehrt hat und welche Schaeden die japanische Armee den anderen Laendern zugefugt hat. Manche europaeische Diplomaten, die diese Gedenkstaette besucht hatten, teilten meine Meinung. Ich moechte allerdings betonen, dass die Internetseite der Gedenkstaette zeigt, dass heute Erklaerungen zu kausalen Zusammenhaengen hinzugefuegt wurden, und die Ausstellung weniger einseitig als vor 17 Jahren ist.

Diese Umstaende haben dazu gefuehrt, dass die Japaner heute mehr um ihre eigenen Opfer als die Opfer der Laender trauern, die sie ueberfallen haben. Die Romane, Komikbuecher und Spielfilme, die die Tapferkeit der eigenen Soldaten waehrend des Zweiten Weltkrieges betonen, sind viel erfolgreicher als die Buecher oder Filme, die sich kritisch mit der Vergangenheit auseinandersetzen. Nationalkonservative Zeitschriften und Verlage sind populaerer als liberale, linksorientierte Presse. Es gibt latente Selbstzensur bei manchen Autoren und Verlagen, weil man Angst vor Attentaten und Schikanen der japanischen Rechtsradikalen hat.

Auch die Mentalitaet der Japaner spielt eine Rolle. Die Erinnerungskultur ist leider kein wichtiger Bestandteil der japanischen Identitaet. Die Japaner sind tendenziell pragmatisch und legen einen grossen Wert darauf, negative Erfahrungen in der Vergangenheit unter den Teppich zu kehren und die Konfliktfreiheit, Harmonie und Innovationen anzustreben.

Im Gegensatz dazu spielt die Geschichte fur die Chinesen eine groessere Rolle als Orientierungsmodell fuer heute als in Japan. Deswegen verstehen viele japanische Politiker nicht, warum sich chinesische Politiker hartnaeckig mit der Vergangenheit beschaeftigen.

In Japan gibt es generell viel weniger Interesse zur Aufarbeitung der Geschichte. Die Medien beschaeftigen sich mit diesem Thema viel weniger als in Deutschland.

4   Japan muss handeln.

Ich moechte allerdings den Eindruck vermeiden, das sich die japanische Regierung noch nie entschuldigt hat. 1993 hat der damalige japanische Ministerpraesident Hosokawa zum ersten Mal die Kriegsfuehrung der japanischen Armee oeffentlich als ?ungerechte Aggressiong kritisiert und das Bedauern ausgesprochen, das es unter den Asiaten viele Kriegsopfer gab.

1995 hat der Ministerpraesident Murayama die Schaeden und den Schmerz, die Japan asiatischen Nachbarn zugefuegt hatte, bedauert und sich entschuldigt. Zum 50. Jahr nach der Niederlage hat sich das Unterhaus des japanischen Parlaments in einem offiziellen Beschluss die Aggression durch die japanische Armee verurteilt und die Schaeden und Schmerz, die anderen Asiaten zugefuegt wurden, bedauert.

Die japanische Regierung hat 1993 zum ersten Mal bestaetigt, dass die japanische Armee bei der Rekrutierung der Zwangsprostituierten involviert war und sich entschuldigt.

Der suedkoreanische Praesident Roh sagt jedoch dazu: ?Es stimmt, dass Japan sich verschiedentlich entschuldigt hat. Aber Ereignisse der juengsten Zeit haben diese Entschuldigungen gleichsam annulliert. Eine Entschuldigung ist nur in dem Masse gueltig, wie anschliessende Handlungen sie nicht untergraben.g Die chinesische und suedkoreanische Regierungen verlangen, dass Japan mit entsprechenden Handlungen unterstreichen soll, dass seine Entschuldigungen in der Vergangenheit ernst gemeint waren.

Ich persoenlich bin pessimistisch und erwarte keine Entspannung des Streits um die Vergangenheit in absehbarer Zukunft. China kritisiert Japan heftiger und lauter als frueher, weil es eine Wirtschaftsmacht geworden ist. China hat 2004 als Exportnation Japan ueberholt und ist der drittgroesste Exporteur der Welt nach Deutschland und den USA. In ein Paar Jahrzehnten wird es auch an Bruttosozialprodukt Deutschland und Japan ueberholen. Eine Aufarbeitung der Vergangenheit wird keinen Erfolg haben, wenn es auf Druck der anderen Nation stattfindet. Es muss auf die eigene Initiative hin passieren.

Es wird erwartet, dass der Nachfolger von Koizumi auch nationalkonservative Tendenz haben wird. Die kuenftige japanische Regierung wird wahrscheinlich nicht anfangen, sich ernsthaft mit der Vergangenheit zu beschaeftigen, weil man den Anschein vermeiden will, dass Japan sich dem Druck der Chinesen gebeugt hat. Ich spuere Angst der Japaner, in Zukunft wirtschaftlich auf einen kleinen Nachbarstaat Chinas zu schrumpfen. Nur damit kann ich die Popularitaet der nationalkonservativen Politiker bei uns erklaeren.

Gleichzeitig darf man nicht vergessen, dass China noch kein demokratischer Staat mit Meinungsfreiheit ist. Die Chinesen setzen die Vergangenheit oft als Druckmittel ein.

Japanische konservative Intellektuelle kritisieren, dass die chinesische Regierung mit patriotischer, einseitiger Geschichtserziehung das Misstrauen der chinesischen Bevoelkerung gegen Japan schuert.

Dieser Character der chinesischen Gesellschaft erschwert eine sachliche, emotionsfreie Diskussion um geschichtliche Tatsachen erheblich. Zum Beispiel gibt es zwischen China und Japan immer noch keinen Konsens zur Zahl der Opfer des Massakers in Nanking. Waehrend japanische Forscher die Zahl der Opfer auf knapp 50.000 schaetzen, behauptet die chinesische Seite, dass 300.000 Personen umgebracht wurden. Meines Erachtens sind 50.000 schlimm genug. Revisionistische Autoren in Japan, die das Ausmass des Massakers oeffentlich bezweifeln, werden nicht strafrechtlich verfolgt.

Es mag sein, dass China die Vergangenheit als Druckmittel in der Aussenpolitik benutzt. Aber so lange wir Japaner mit der Aufarbeitung der Vergangenheit nicht anfangen, bleiben wir angreifbar und erpressbar, weil wir den Chinesen als Beweis nicht zeigen koennen, dass wir uns mindestens darum bemuehen, die Vergangangenheit kritisch aufzuarbeiten.

Auch der Streit um die Vergangenheit mit Suedkorea eskaliert, weil Suedkorea den Territorialdisput um eine kleine unbewohnte Insel im Japanischen Meer damit verbindet. Die Suedkoreaner nennen es Dokdo und behaupten, dass Japan die Insel 1905 illegal besetzt hatte. Die Japaner nennen die Insel Takeshima und betrachten es als eigenes Territorium.

In allen 3 Laendern erhitzen sich die Gemueter, was die emotionsfreien Gespraeche um ein gemeinsames Geschichtsverstaendnis verhindert.

Alle 3 Laender sollten zur Ansicht kommen, dass eine weitere Zuspitzung des Konflikts das Interesse der gesamten Region beeintraechtigt.

Was ich bei der Diskussion in Asien besonders vemisse, ist die Sicht der Opfer und die Gespraeche zwischen den asiatischen Opfern und den Japanern, was bei den Bemuehungen zur Annaehrung unabdingbar ist. Die Disukussionen sollten meines Erachtens weniger von Staatschefs oder Aussenministern und mehr von Historikern und Nichtregierungsorganisationen gefuehrt werden. Wir Japaner sollten versuchen, asiatischen Opfern intensiver zuzuhoeren.

Alle drei Laender sollten sich zunaechst um eine Entschaerfung der Konflikte bemuehen. Ein japanischer Ministerpraesident sollte meiner Meinung nach nicht mehr den umstrittenen Schrein als offiziele Person besuchen. Die Regierung sollte eine getrennte Gedenkstaette fuer alle Kriegsopfer des Zweiten Weltkrieges einschliesslich asiatische Opfer bis auf hingerichtete Kriegsverbrecher bauen, und der Ministerpraesident soll diese Gedenkstaette besuchen, wenn er den Gefallenen die Ehre erweisen will.

China und Suedkorea sollten den Ton der Kritik entschaerfen und die Diskussion um ein gemeinsames Geschichtsverstaendnis in einer Historikerkommission mit den Japanern beginnen.

Insbesondere finde ich es wichtig, dass China, Suedkorea und Japan einen Konsens zur Darstellung der Geschichte im 19. und 20. Jahrhundert im Schulbuch erreichen. Viele Japaner finden die Geschichtsdarstellung im Schulbuch in China und Suedkorea zu einseitig und emotionsgeladen.

Manchmal bedrueckt mich die lange Liste der Hausaufgaben, die 60 Jahre lang unbearbeitet liegen geblieben sind, und die wir Japaner noch anpacken muessen. Im Gegensatz zu Deutschland ist die Erinnerungskultur in Japan noch kein fester Bestandteil der Politik und Gesellschaft. Uns fehlt eine Nichtregierungsorganisation wie Aktion Suehnezeichen oder ein Amt wie Bundeszentrale fur Politische Bildung.

Wir Japaner muessen uns jedoch beeilen. Je laenger die Hypothek der unbearbeiteten Vergangenheit liegen bleibt, desto groesser werden die negativen Auswirkungen auf die heutige Gesellschaft. Je weniger Augenzeugen und UEberlebende es gibt, desto schwieriger wird die Diskussion aus der Sicht der Opfer.

Ich sehe erste Anzeichen, das der Streit um die Vergangenheit zu einem dauerhaften, emotionsgeladenen Konflikt mit China und Suedkorea eskalieren kann. 

Wir muessen dem Anstieg des Nationalismus in Japan und den anderen asiatischen Laendern so bald wie moeglich einen Riegel vorschieben. Wir wissen aus der Geschichte, das das Aufflammen des Nationalismus in meisten Faellen in eine Katastrophe muendet.

Vielen Dank fur Ihre Aufmerksamkeit.